Freitag, 20. Februar 2015

Frühaussteiger

AutorIn: Erik J. Roberts
Seiten: 148
Verlag: vom Autor über Amazon veröffentlicht
ISBN: 1500821373

Worum geht's?

Nach dem unerwarteten Tod des Vaters reißt es Sebastian aus der behüteten Lebensbahn. Seit dem Umzug sucht er in der verdammten neuen Schule verzweifelt Freunde und Anschluss, doch er findet nur Ausgrenzung, Gewalt und Mobbing. Und zu allem Überfluss ist da auch noch die sadistische Mathelehrerin.
Zuhause ist es nicht besser. Dort plagen ihn heftige Streitereien mit der Mutter und dem verhassten Stiefvater. Alles erscheint ohne Sinn und Zukunft.
Trotz seiner Probleme verliebt sich Sebastian in Annika aus der Parallelklasse. Und sie ist der Hoffnungsschimmer. Doch kommen beide zusammen? Nach einer brutalen Schlägerei im Klassenzimmer fasst Sebastian einen folgenschweren Entschluss …

Eine sehr intensive Erzählung über Erwachsenwerden, Liebe, Familie und Tod.

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Wer ist der Autor?

Erik J. Roberts arbeitet als Arzt und Schriftsteller in Berlin. Sein Weg führte ihn zunächst zum Facharbeiter für Nachrichtentechnik bei den Berliner Verkehrsbetrieben, wo es mehr Kurioses als Verwirklichung zu erfahren gab. Daher wechselte er in die Medizinbranche, arbeitete vor dem Studium als Pfleger in der Chirurgie und Kinderrehabilitation, promovierte über ein medizinhistorisches Thema und fand bei dieser Beschäftigung Gefallen am Schreiben.
Wenn etwas seine Bücher verbindet, dann ist es die Kontroverse. Erik J. Roberts findet in seinen Romanen stets das Außergewöhnliche und Emotionale, was aufrüttelt und zum Nachdenken anregt.
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Wie fand ich es?

Alles in allem hat mir die Geschichte an sich gut gefallen. Probleme von Jugendlichen werden interessant thematisiert, es wird nämlich die Geschichte von Sebastian erzählt, der auf seiner neuen Schule nicht klar kommt. Mobbing spielt eine große Rolle in diesem Buch und ich persönlich fand die Geschehnisse im Laufe des Mobbings realistisch. Es wird wohl leider immer Schüler, oder allgemein Menschen, geben die sich durch das Fertigmachen anderer besser fühlen und es genießen, andere zu mobben und ganz schnell wird aus simplen Späßen gegenüber "Außenseitern" wie Sebastian schon Mobbing. Gut aufgezeigt wurde, was Mobbing alles zerstören kann - Sebastian, der Archäologe werden will, rutscht mit seinen Noten immer weiter ab, sodass aus seinem Traum nichts zu werden scheint. Seine soziale Vereinsamung führt natürlich auch nicht gerade zu besseren Noten.

Es gibt einfach keine Gründe für Mobbing - außer das charakterlich schwache Mobber ihre Probleme an unschuldigen anderen auslassen können, und sich offenbar nicht darüber im Klaren sind, dass sie damit psychisch und physisch Wunden hinterlassen. Menschen sind sensibel und es kann wohl niemand von sich behaupten, dass ihn eine fiese Äußerung überhaupt nicht treffen würde. Es trifft immer, auch wenn man mit der Zeit vielleicht abstumpft und sich eine "Es ist nur blödes Gefasel"-Einstellung zulegt oder anders versucht, mit Mobbing klar zu kommen. Dies hat der Autor sehr gut aufgezeigt.

Mein Problem war - ich habe mich einfach nicht mit dem Protagonisten, Sebastian, anfreunden können. Vielleicht ist es mir auch durch den Schreibstil, der einfach nicht mein Geschmack war - was nicht heißt, das er schlecht war, sondern mir lediglich zu sachlich und dadurch hölzern - und der zu seinem Alter (15) nicht richtig passte, einfach nicht möglich geworden, ihn richtig sympathisch zu finden. Seine Situation ging mir nahe, ja, denn er hat wirklich haufenweise Probleme in seinem jungen Alter, und es war auch gut beschrieben, wie er sich fühlt, aber ich fühlte mich einfach nicht so wie er, während ich las. Auch seine Beziehung zu Annika konnte mich nicht wirklich überzeugen.

Die anderen Charaktere waren zweifelsohne interessant, doch auch bei diesen kam bei mir kein richtiges Gefühl auf. Mit seinem Stiefvater kommt Sebastian überhaupt nicht zurecht, seine Stiefschwester mag er mal und mal nicht, und auch vor seiner Mutter, die sich nicht richtig mit seinen Problemen auseinander setzt sondern lediglich bessere Noten erwartet, zieht sich Sebastian immer mehr zurück. Auch in der Schule trifft er nicht unbedingt auf nette Menschen, abgesehen einmal von Annika. Von seinen Mitschülern und sogar seiner Mathelehrerin wird Sebastian gemobbt weil,... ja, warum? Hach, weil er der neue ist... großartige Logik. *Sarkasmuslampe blinkt* Aber leider nur zu realistisch bei Mobbing.

Gut gefallen an diesem Buch hat mir auch, dass so ehrlich und authentisch auf Mobbing eingegangen wurde. Denn "Frühaussteiger" gehört ja leider nicht ins Genre Historische Romane, weil es immer noch Menschen gibt, die anderen körperliche und/oder seelische Gewalt zufügen. Das kann überall passieren, aber speziell in Schulen ist es ein großes Thema. Kinder sind bekanntlich am grausamsten. Auch die Ignoranz der Lehrer bezüglich dieses Problems wurde gut dargestellt. Ich will nicht sagen, dass von 100 Lehrern 99 nichts gegen Mobbing tun würden. Aber es ist auch leider kein Einzelfall, das gemobbte Schüler bei Lehrern keine Hilfe finden.

In diesem Buch wurde das Thema Mobbing und alles was damit zusammenhängt/zusammenhängen könnte, wie Selbstmord (wenn das auch nur am Rande), instabile Familien... authentisch und realistisch aufgezeigt. Lediglich den sachlichen, trotz der Ich-Perspektive objektiven Schreibstil durch den ich mit den Charakteren nicht warm wurde, habe ich zu kritisieren.

 Sterne

Vielen Dank an den Autor für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

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